Glaube
Wer ist der Heilige Geist?
Keine vage Kraft, sondern Gott selbst, ganz nah. Wer er ist, was er tut und wie er durch die ganze Bibel hindurch wirkt.
Christen bekennen einen Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Unter dem Vater und unter Jesus können sich die meisten Menschen etwas vorstellen. Der Geist bleibt für viele verschwommen: eine Stimmung, eine Energie, etwas, das man spürt oder eben nicht. Die Bibel spricht anders von ihm. Hier liest du, wer er ist, was er tut und worin Christen ihn unterschiedlich sehen.
Der Heilige Geist ist Gott, der ganz nah bei dir ist. Du kannst ihn nicht sehen, so wie du den Wind nicht siehst. Aber er tröstet dich, hilft dir beim Beten und macht dein Herz weich und freundlich.
Jemand, nicht etwas
Das hebräische Wort ruach und das griechische pneuma bedeuten auch Atem und Wind. Deshalb denken manche an eine unpersönliche Kraft. Aber die Bibel lässt den Geist Dinge tun, die nur jemand tut. Jesus nennt ihn „einen anderen Sachwalter“ (Johannes 14,16): einen Helfer wie er selbst.
Er spricht
In Antiochia sagt der Geist zur Gemeinde: Sondert mir Barnabas und Saulus aus. So spricht keine Energie, sondern jemand.
Er lehrt und erinnert
Jesus verspricht, dass der Geist seine Jünger alles lehren und sie an das erinnern wird, was er gesagt hat.
Er kann betrübt werden
Paulus bittet die Gläubigen, den Geist nicht zu betrüben. Betrüben kann man nur jemanden.
Er betet für uns
Wenn wir nicht wissen, was wir beten sollen, tritt der Geist selbst für uns ein, mit Seufzern ohne Worte.
Er entscheidet
Der Geist teilt die Gaben aus, „wie er will“. Die Versammlung in Jerusalem schreibt: Es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen.
Er ist Gott
Wer den Heiligen Geist belügt, belügt Gott, sagt Petrus zu Hananias. Und Paulus nennt die Gemeinde einen Tempel Gottes, weil der Geist in ihr wohnt.
Wie der Geist, der Vater und der Sohn zusammen ein Gott sind, liest du bei Ein Gott, drei Personen.
Was der Geist tut
Sieben Dinge, die die Bibel über das Wirken des Geistes sagt, jedes mit einem Vers aus deiner Bibel.
Er steht dir bei
Das griechische Wort parakletos bedeutet wörtlich: jemand, den man an seine Seite ruft. Ein Tröster, ein Fürsprecher, ein Helfer, der neben dich tritt. Darum wählen Übersetzungen verschiedene Wörter. Jesus verspricht, dass er für immer bleibt.
und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Sachwalter geben, daß er bei euch sei in Ewigkeit,
Johannes 14,16 Er leitet in die Wahrheit
Der Geist bringt keine neue, geheime Lehre. Er stellt Jesus ins Licht: „Er wird mich verherrlichen“, sagt Jesus. Was der Geist sagt, passt zu dem, was Jesus gesagt hat.
Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was irgend er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.
Johannes 16,13 Er überführt
Der Geist zeigt, was Sünde ist, was wirklich gerecht ist und dass das Böse gerichtet ist. Das ist keine Anklage, die jemanden klein macht, sondern ein Licht, das den Weg zurück zeigt.
Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht.
Johannes 16,8 Er macht neu
Zu Nikodemus sagt Jesus, dass ein Mensch neu geboren werden muss, „aus Wasser und Geist“. Christen sehen darin den Anfang eines neuen Lebens, das Gott schenkt, nicht eines, das man selbst macht. Wie das mit der Taufe zusammenhängt, sehen die Kirchen unterschiedlich.
Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand aus Wasser und Geist geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.
Johannes 3,5 Er macht dich zum Kind Gottes
Durch den Geist darf ein Mensch Gott „Abba, Vater“ nennen, ein Wort des Vertrauens. Und wer keine Worte mehr hat, muss nicht allein beten: Der Geist betet mit.
Abba, Vater! Der Geist selbst zeugt mit unserem Geiste, daß wir Kinder Gottes sind.
Römer 8,16 Er gibt Mut zum Zeugnis
Kurz vor seiner Himmelfahrt verspricht Jesus Kraft durch den Geist, um von ihm zu erzählen in Jerusalem und weiter, bis an das Ende der Erde. Derselbe Geist gibt auch heute gewöhnlichen Menschen Worte, um von ihrem Glauben zu sprechen.
Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.
Apostelgeschichte 1,8 Er gibt Gaben
Jeder Christ bekommt etwas vom Geist, um damit anderen zu dienen: lehren, helfen, ermutigen, leiten, geben, heilen, prophetisch reden und mehr. Paulus nennt sie in vier Listen, und keine Liste ist vollständig.
Einem jeden aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben.
1. Korinther 12,7
Wie diese Kraft zum Zeugnis das Evangelium um die Welt trug, liest du bei Wie das Evangelium um die Welt ging.
Die Frucht des Geistes
Woran man das Wirken des Geistes erkennt: nicht am Spektakel, sondern am Charakter.
Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit; wider solche gibt es kein Gesetz.Paulus stellt zwei Listen nebeneinander: was aus dem Menschen selbst kommt (Galater 5,19–21) und was der Geist wachsen lässt. Achte auf die Einzahl: eine Frucht mit neun Seiten, keine Speisekarte zum Aussuchen. Eine Frucht macht man nicht, sie wächst. So wirkt der Geist: langsam, von innen, und oft sehen es andere eher als du selbst.
Ein Apfelbaum muss sich nicht anstrengen, um Äpfel zu bekommen: Wenn der Baum gesund ist, wachsen sie von selbst. So lässt der Heilige Geist Liebe, Freude und Freundlichkeit in dir wachsen.
Roter Faden
Der Geist durch die ganze Bibel
Von der Schöpfung über die Propheten und Pfingsten bis zur Kirche von heute: neun Stellen, an denen der Geist am Werk ist.
1. Mose 1,2
Über dem Wasser
Wo der Geist ist, kommen Leben und Ordnung ins Chaos. Bei der Taufe Jesu kommt der Geist wieder über dem Wasser herab.
4. Mose 11,29
Wären sie doch alle Propheten
Im Alten Testament kommt der Geist auf einige wenige: Richter, Könige, Propheten, oft nur für eine Zeit. Moses Wunsch wartet auf seine Erfüllung.
Hesekiel 37,14
Verdorrte Knochen leben
Gott verspricht, seinen eigenen Geist in sein Volk zu legen: nicht nur neues Leben, sondern ein neues Herz (Hesekiel 36,26–27).
Joel 2,28
Über alles Fleisch
Was Mose sich wünschte, verspricht Joel für alle. An Pfingsten zitiert Petrus genau diese Worte (Apostelgeschichte 2,16–18).
Lukas 3,22
Wie eine Taube
Vater, Sohn und Geist sind zugleich da. Jesus beginnt sein Wirken „voll Heiligen Geistes“ (Lukas 4,1) und liest in Nazareth: „Der Geist des Herrn ist auf mir“ (4,18).
Johannes 14,16
Ein anderer Sachwalter
Der Geist macht Jesus nah, auch wenn er nicht mehr zu sehen ist: „Ich werde euch nicht als Waisen lassen“ (14,18).
Apostelgeschichte 2,4
Wind, Feuer und Sprachen
Bei Babel wurden die Sprachen verwirrt (1. Mose 11). Hier hört jeder das Evangelium in seiner eigenen Sprache. Joels Verheißung hat begonnen.
Römer 8,16
Kinder Gottes
Was einst für ein paar Propheten war, gilt jetzt für jeden, der zu Christus gehört. So wirkt der Geist heute in der Kirche: von innen.
Offenbarung 22,17
Der Geist und die Braut sagen: Komm!
Der Geist, der bei der Schöpfung über dem Wasser schwebte, bietet am Ende das Wasser des Lebens an, umsonst, jedem, der es will.
Die Gaben: worin Christen sich unterscheiden
Über die Gaben des Geistes denken Kirchen verschieden. Zuerst, was sie teilen, dann die Sichtweisen nebeneinander.
Was alle Kirchen teilen
- Alle großen Kirchen bekennen mit dem Glaubensbekenntnis von Nizäa und Konstantinopel (381), dass der Heilige Geist der Herr ist, lebendig macht und mit dem Vater und dem Sohn angebetet wird.
- Wer zu Christus gehört, hat den Geist. Und jede Gabe ist dazu da, anderen zu dienen, nicht um selbst aufzufallen.
- Die Liebe steht über jeder Gabe: Darum steht 1. Korinther 13 genau zwischen den beiden Kapiteln über die Gaben.
- Gott hört Gebet und kann heilen. Darin sind sich die Kirchen einig; sie unterscheiden sich in der Frage, ob es heute eine eigene Gabe der Heilung, der Prophetie oder des Zungenredens gibt.
Die Sichtweisen nebeneinander
Pfingst- und charismatische Kirchen
Die Pfingstbewegung (seit 1906) und die charismatische Erneuerung in vielen Kirchen
Alle Gaben aus 1. Korinther 12, auch Prophetie, Heilung und Zungenrede, gibt es noch immer, und Christen dürfen sich nach ihnen ausstrecken. Klassische Pfingstkirchen sprechen von einer „Geistestaufe“ als eigener Erfahrung nach der Bekehrung, mit der Zungenrede als erstem Zeichen. Viele charismatische Christen in anderen Kirchen sehen das weiter.
Katholische und orthodoxe Kirchen
Die römisch-katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen des Ostens
Der Geist wird in der Taufe geschenkt und in der Firmung bestärkt; in der orthodoxen Kirche ist das die Myronsalbung, gleich nach der Taufe. Die katholische Kirche spricht auch von sieben Gaben, nach Jesaja 11,2–3. Außergewöhnliche Gaben werden anerkannt, aber die Kirche prüft sie. Innerhalb der katholischen Kirche gibt es seit 1967 auch eine charismatische Erneuerung.
Ein Teil der reformierten und evangelikalen Kirchen
Vor allem in der reformierten Tradition
Die auffälligen Zeichengaben wie neue Prophetie, Zungenrede und Gaben der Heilung gehörten in die Zeit der Apostel, als das Fundament der Kirche gelegt wurde. Seit die Schrift abgeschlossen ist, spricht Gott durch die Bibel. Er heilt noch immer auf Gebet hin, aber nicht mehr durch Menschen mit einer Gabe der Heilung.
Viele evangelische Kirchen dazwischen
Lutherische, anglikanische, baptistische und andere Gemeinden
Sie schließen keine Gabe aus, legen aber den Schwerpunkt auf die gewöhnlichen Gaben, die eine Gemeinde Woche für Woche tragen: dienen, lehren, ermutigen, geben, leiten. Besondere Erfahrungen werden an der Bibel geprüft und an der Frucht, die sie bringen.
Faden ergreift hier keine Partei. Worin sich alle Kirchen einig sind: Der Geist weist immer auf Jesus, und wo er wirkt, wächst Liebe.
Quellen
Quellen
- New Advent, “The First Council of Constantinople (381): the creed”
- Holy See, “Catechism of the Catholic Church, §683–747: I believe in the Holy Spirit”
- Holy See, “Catechism of the Catholic Church, §1830–1832: the gifts and fruits of the Holy Spirit”
- Assemblies of God, “Statement of Fundamental Truths (7 and 8)”
- The Ark and the Dove, “How it started (the retreat of February 1967)”
- CCEL, “Westminster Confession of Faith, chapter 1”
- Internet Archive, “B. B. Warfield, Counterfeit Miracles (1918)”